Haldern-Moment

Das war er dann wohl, der spezielle Haldern-Moment für dieses Jahr. Nachdem es aussichtslos schien, ins Spiegelzelt zu gelangen, machten wir uns auf den Weg zur Haldern Pop Bar in der Dorfmitte. Dort drohte das Konzert der Isbells wegen einer ständig herausfliegenden Sicherung zu platzen. Also entschied sich die Band spontan, auf dem Parkplatz vor der Bar ein Akustik-Set zu spielen.



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Marillenknödel

Dringend Marillenknödel kochen! Dieser Gedanke schaffte, als die Augen frische, reife Aprikosen in der Auslage meldeten, spontan den Sprung vom Unterbewusstsein auf Dringlichkeitsstufe 1, begleitet von süßen Erinnerungen an die böhmische Küche von Mutter und Großmutter – und leider auch an die Marillenknödelimitate aus der Hochschulmensa. Also ohne Zögern drei Handvoll Früchte (600–700 g) in die Tüte und zu Hause nochmal schnell im Rezept nachgeschaut, was man sonst noch so braucht:

  • 1 kg mehligkochende Kartoffeln
  • 300 g Mehl
  • 2 Eier
  • Würfelzucker
  • Paniermehl
  • Butter
  • Puderzucker

Die Kartoffeln schälen und kochen, wir waren uns unsicher und haben uns dann doch für einen Teelöffel Salz im Wasser entschieden. Geschadet hat es nicht. Ohnehin kommt später noch mehr Salz ins Spiel.

Während die Kartoffeln garen und danach abkühlen, die Aprikosen waschen, an einer Seite aufschlitzen und den Kern jeweils durch ein Stück Würfelzucker ersetzen. Das Paniermehl mit etwas Butter in einer Pfanne anrösten. Wir haben es aus zwei oder drei trockenen Brötchen im Mixer selbst hergestellt.

Nachdem die Kartoffeln abgekühlt sind, diese mit einer Kartoffelpresse bestimmungsgemäß bearbeiten, mit Mehl, Salz und Eiern zu einem Teig verarbeiten.

Mit den Fingern kleine Teigfladen formen und je eine Aprikose darin einwickeln, zwischen den Handflächen zu einem ansehnlichen Knödel rollen. In kochendem Salzwasser garen. Von fünf bis sieben Minuten spricht das alte Rezept. Wir haben nicht auf die Uhr geguckt, und können nur sagen: Wenn sie auftauchen sind sie noch nicht fertig:

Zu früh gefreut

Also noch etwas länger ziehen lassen. Kurz abtropfen lassen, dann in dem Paniermehl wälzen, einen Teelöffel zerlassene Butter auf jeden Knödel geben, mit Puderzucker bestreuen und genießen! Drei Knödel sättigen sehr gut, die Restknödel schmeckten aber auch später noch kalt und mit Vanilleeis.

Marillenknödel, genussfertigMir hat ein wenig Säure gefehlt, weshalb wohl auch die Variante mit Quarkteig populär ist. Ich würde aber lieber beim Kartoffelteig bleiben und beim nächsten Mal mit abgeriebener Zitronenschale experimentieren. Auch Experimente mit Alkohol könnten vielversprechend sein…

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Moderne Zeiten

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Fachkräftemangel

Ich: Ich hätte gerne die Njocki.

Er: Einmal die Gnotschis, alles klar.

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Unbeschrankt

Es gibt Wohnungen, die sind wie Schiffe. Jeder kleinste Winkel macht sich dort nützlich: als Vorrats-, Besen-, Rumpel- oder sonstige Kammer, als Wandschrank, Abstellraum oder Weihnachtsgeschenkeversteck. Vornehmlich sind dies Dachwohnungen. Viele Menschen haben den Eindruck, in diesen Wohnungen gehe ihnen Raum durch die Schrägen verloren. Ich habe mir schon von Freunden in ihrer ebenso stark angeschrägten wie traumhaften Wohnung erzählen lassen, dass andere Wohnungssuchende ihre Wohnung abgelehnt hätten, da es wegen der Schrägen keinen Raum gibt, um einen riesigen Kleiderschrank aufzubauen. In Wahrheit jedoch bietet die Mehrzahl der Dachwohnungen, die ich bisher dahingehend inspiziert habe, ein dickes Plus an Raum: Stauraum.

Meine Wohnung jedoch ist die Hölle. Sie ist schön, sie ist anders, so offen, aber genau das ist es, was mich von Zeit zu Zeit wahnsinnig macht. Es gibt in der ganzen Wohnung keine richtige Tür, die einzige trennende Wand hat diese Bezeichnung kaum verdient&nbsp:– diese Wohnung sind eigentlich nur rund 400 Kubikmeter umbauter Raum. Gäste haben von der Couch aus freie Sicht bis unters Bett. Es gibt keinen monströsen Schrank oder gar eine Schrankwand, nur eine Art Kombination von türlosem Ankleidezimmer und Abstellraum mit offenem Kleiderschrank. Etwas verschämt steht irgendwo ein kleines, mehr oder weniger antikes Schränkchen mit quietschenden Türen. Ich könnte die Scharniere ölen, aber ohne Quietschen wäre das mehr oder weniger antike Schränkchen noch weniger antik.

Ich habe zu Schränken ein partnerschaftliches Verhältnis, ich bin mit Schränken sozialisiert worden. Mein Jugendzimmer bestand zu großen Teilen aus Kiefernholzschränken. Aufräumen war für mich seit jeher gleichzusetzen mit Verstecken&nbsp:– im Schrank. In unserem Haus gab es einen Raumteiler mit lauter Schrankfächern, der so gleich zwei Räumen eine Schrankoptik aufdrängte. Und im Wohnzimmer wurde in meiner Jugend die Palisander-Schrankwand gegen eine aus hellerem Holz ersetzt. Deren gewaltigste Türen bildeten das Zentrum der Pi mal Daumen sieben Meter langen Wand und verbargen das Heiligste hinter sich, den Farbfernseher. Seitlich gab es noch ein Nebenheiligtum, die Vitrine mit den guten Gläsern darin. Ich habe es nie verstanden, warum man Gläser auf Glasböden hinter einer Glastür ausstellt und dieses transparente Ensemble dann auch noch mit einer Schrankleuchte illuminiert. Ich halte solcherlei nur für sinnvoll und dekorativ, wenn es sich statt Gläsern um Glasflaschen mit farbenfrohem Inhalt handelt. Ich illumniere in meiner Wohnung jetzt das ganze Farbspektrum der alkoholischen Genüsse.

In einem Regal, denn in dieser Wohnung gibt es wie in mancher Dachgeschosswohnung keinen Platz, an dem sich ein Schrank vernünftig aufstellen ließe. Die Offenheit dieser Wohnung lässt sich nicht bezwingen. Stattdessen zwingt sie mich zum echten Aufräumen und ruft mir zu: “Verstecken gilt nicht!” Erstbesucher sagen immer “Tolle Wohnung!”, vermutlich betört durch die irisierenden Alkoholika. Sie wissen nicht, was es heißt, ohne Schränke in einer Wohnung unterhalb des rumpelkammergespickten Dachgeschosses zu leben. Dem nächsten Besuch werde ich entgegnen: “Diese Wohnung scheint nur toll zu sein. Ihrem Wesen nach aber ist sie schlecht. Diese Wohnung hasst Schränke!”

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Eurovision Song Contest

Zitat:

Ich glaube, ich schau mir den Live-Stream vom Ölbohrloch an, das ist unterhaltsamer!

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Käsekuchen mögen üben

In New York am Times Square muss der Tourist nur einmal um die Ecke gehen, um mit wenigen Schritten zu Junior’s zu gelangen. Wie in jedem guten amerikanischen Restaurant isst der Gast dort Burger w/ Fries oder ein Grilled Cheese Sandwich mit einer daumendicken Käseschicht, dazu Cole Slaw und – sollte er eine landestypische Beilage wünschen – großzügig geschnittene, in Backteig gebadete, anschließend frittierte Zwiebelringe, die sich ob ihrer Größe, Form und Farbe auf den ersten Blick nicht von einem Donut unterscheiden lassen. Ohne Übertreibung. Das Besondere an Junior’s aber ist, dass das fettreiche Mahl in stilvoller Umgebung serviert wird. Hätte der Tourist die 1950er Jahre erlebt und wäre er damals in einem amerikanischen Restaurant gewesen, fühlte er sich jetzt dorthin zurück versetzt. Aber der Tourist kennt diese Art Schnellrestaurant mit Jukebox und einer Bedienung, die unablässig etwas nachschenkt, dass sie als Coffee bezeichnet, nur aus Filmen wie Zurück in die Zukunft. In der Gegenwart ist die alt- wie neumodische Einrichtung von Junior’s nur Kulisse für ein bemerkenswertes Schauspiel, kehrt man sonst nur in verbreiteteren Restaurantketten ein. Die Kellner und Kellnerinnen tragen stilvoll-klassisches Schwarz-weiß, man sieht ihnen gerne zu, wie sie hinter der scheinbar endlos langen Theke beständig geschäftig räumen, wischen und füllen. Es hätte beinahe etwas Meditatives, würde nicht die Bedienung recht bald nervös, während der Gast nicht gerade bestellt oder isst.

The New York cheesecake began in 1921 with Leo Lindemann, whose Lindy’s in Midtown first served a cake that blended cream cheese and regular cream with a splash of vanilla on a cookie crust. It be came a sensation. Variations use graham crackers for their crust, swirl in flavourings like mandarin or lemon, or replace cream cheese with cottage cheese. Today New York cheesecake appears not on menus across the city, but as a benchmark dessert around the world. Try a slice at Junior’s.

Der Imperativ des Reiseführers lässt dem Tourist keine Wahl. Er fragt nicht danach, ob dem reisenden Leser Käsekuchen generell zusagt oder ob Käsekuchen eine Beleidigung für seinen Gaumen ist, weil er, Erdnussbutter nicht unähnlich, an ihm klebt, weil er den Speichel bindet wie ein Esslöffel Paniermehl, weil er geschmacklich sowohl mit aufwändigen Sahnetorten als auch mit simplem Blechkuchen einfach nicht mithalten kann und in Textur und Konsistenz einem aufgeweichten Stück Styropor ähnelte, könnte man Styropor aufweichen. Zudem erscheint der Käsekuchen demjenigen, der sich auf das Backen nicht versteht, als Mysterium, gibt er doch augenscheinlich nicht preis, aus welchen Zutaten er entstand. Dem Namen nach liegt Käse als Hauptzutat nahe, aber das glaubt ein fünfjähriges Kind schon nicht mehr.

Räumen, Wischen, Füllen

Verwunderlich ist, dass trotz dieser offensichtlichen Nachteile des Käsekuchens, dieser des Öfteren nicht nur für durchaus festliche Kaffeetafeln im privaten Rahmen gebacken, sondern auch von Geschäftsleuten zur Kundenwerbung genutzt wird. Offensichtlich hat Käsekuchen ein gutes Image. Erst kürzlich sah ich am Eingang eines Lokals eine schwarze Tafel mit der kreidernen Aufschrift “Käsekuchen 2 €” und in den USA gibt es eine Restaurantkette namens The Cheesecake Factory.

“Muss man mögen”, ist eine Floskel, die auf alles zutrifft, besonders aber auf Käsekuchen. Das ist nicht so zu verstehen, dass eine Verpflichtung bestünde, Käsekuchen zu genießen. Man muss Käsekuchen mögen, um ihn genießen zu können.

Bei Junior’s fällt das Genießen des vom Reiseführer verordneten Stücks Käsekuchen nicht leicht (Grilled Cheese Sandwich, Zwiebelringe). Das Mögen hingegen schon. Dieser Käsekuchen New York Style ist anders: sähmig, vanillig, geschmeidig und viel zu schnell weg, wenn der Tourist ihn mangels verfügbaren Magenvolumens mit Mitreisenden teilt. Junior’s PR-Strategen brauchen Reiseführer-Autoren nicht bestechen, um Touristenströme in Richtung Käsekuchen zu locken.

Der Tourist will den durch fettreiche Hauptgerichte vereitelten Käsekuchengenuss nachholen. Er kauft das Buch mit “50 To-Die-For Recipes for New York-Style Cheesecake” und backt Käsekuchen fortan mit Frischkäse statt Magerquark, mit viel Vanille, mit Biskuitboden und im Wasserbad. Zuvor besucht er vielleicht noch in der Nachbarschaft von Junior’s eines der vielen Musicals. Muss man mögen.

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Mit einem Wort

Bisweilen ist ein gutes erstes Wort für den ersten Satz des ersten Eintrag des ersten eigenen Blogs. Das erste Blog, der erste Eintrag, der erste Satz, das erste Wort ist ja immer so eine Sache. Das Blog ist noch ganz leer, genau wie das Fenster des Editors. Weder möchte man da mit etwas Belanglosem beginnen, noch mit einem schöden “Ich”. Ohne über das Folgende, geschweige denn das Ende nachzudenken, ist es dabei mitunter hilfreich, einfach mit einem Wort anzufangen, das überrascht, mit dem niemand – erst recht keiner der nicht vorhandenen Leser – gerechnet hat.  Nach dem starken Anfang darf das Niveau dann ruhig etwas abfallen, sonst hält das ja keiner aus. Wichtig ist es, der Spannung im Verlauf des Textes immer wieder neue Nahrung zu geben. Bis zum unvermittelten, tockenen, ohne Verb auskommenden Ende.

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